Rettich steht in vielen Gemüseregalen fast unbeachtet neben Radieschen und Meerrettich. Dabei steckt in der weißen Knolle mehr drin, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Senfölglykoside, Vitamin C, Ballaststoffe und eine lange Tradition als Hausmittel bei Husten. Was Rettich wirklich kann und wer aufpassen sollte, erfährst du hier.
- Rettich enthält Senfölglykoside, die antibakteriell wirken und Leber sowie Galle unterstützen
- Mit rund 18 kcal pro 100 g ist er extrem kalorienarm und dabei ballaststoffreich
- Rettichsirup ist ein bewährtes Hausmittel bei Husten und Heiserkeit
- Weißer Rettich, Radieschen, Daikon und Meerrettich sind verwandt, aber nicht identisch
- Personen mit Schilddrüsenerkrankungen oder empfindlichem Magen sollten Rettich in Maßen essen
Was steckt im Rettich?
Rettich gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), genau wie Kohl, Brokkoli oder Senf. Und genauso wie diese Verwandten enthält er sogenannte Senfölglykoside, auch Glucosinolate genannt. Wenn du Rettich zerschneidest oder kaust, werden diese Verbindungen enzymatisch umgewandelt und es entstehen scharfe Senföle, die dem Rettich seinen typischen Biss geben.
Diese Senföle sind nicht nur für den Geschmack verantwortlich. Sie wirken antibakteriell, hemmen das Wachstum bestimmter Pilze und unterstützen die Verdauung. Besonders spannend: Senföle regen die Produktion von Gallen- und Verdauungssäften an, was fettreichen Mahlzeiten entgegenwirken kann.
Dazu kommen jede Menge Vitamine und Mineralstoffe, die man von Rettich nicht unbedingt erwartet.
Nährwerte von Rettich
Pro 100 g frischem weißen Rettich (roh) stecken folgende Nährstoffe drin:
- Kalorien: ca. 18 kcal
- Kohlenhydrate: ca. 3,4 g
- Ballaststoffe: ca. 1,8 g
- Eiweiß: ca. 1,1 g
- Fett: ca. 0,1 g
- Vitamin C: ca. 22 mg (rund 28 % des Tagesbedarfs)
- Folat: ca. 28 µg
- Kalium: ca. 250 mg
- Calcium: ca. 35 mg
Der hohe Wassergehalt von über 93 % macht Rettich zu einem echten Leichtgewicht auf dem Teller. Gleichzeitig sorgen die Ballaststoffe für ein gutes Sättigungsgefühl, ohne dass du viele Kalorien aufnimmst.
Ist Rettich gesund? Die wichtigsten Vorteile
Leber und Galle profitieren
Die Senfölglykoside im Rettich haben eine choleretische Wirkung, sie fördern die Gallenproduktion und den Gallenfluss. Das hilft bei der Fettverdauung und kann die Leber entlasten. In der traditionellen Naturheilkunde wird Rettich deshalb gerne bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt, besonders nach fetten Mahlzeiten.
Antibakteriell von Natur aus
Studien zeigen, dass Senföle bestimmte Bakterien und Pilze in Schach halten können. Das gilt auch für die Schleimhäute im Rachenraum, weshalb Rettich seit Generationen als Hausmittel bei Erkältungen und Husten beliebt ist.
Vitamin C für das Immunsystem
100 g Rettich liefern rund ein Viertel des täglichen Vitamin-C-Bedarfs. Vitamin C ist an der Bildung von Immunzellen beteiligt, unterstützt die Kollagenproduktion und wirkt als Antioxidans. Wer sich öfter erkältet, kann mit Rettich also ganz einfach gegensteuern.
Kalorienarm, aber sättigend
Mit nur 18 kcal pro 100 g ist Rettich ideal, wenn du auf dein Gewicht achtest. Die Ballaststoffe quellen im Magen auf und sättigen deutlich länger als ihr Kalorienwert vermuten lässt. Ähnlich verhält es sich bei Linsen, die ebenfalls zu den unterschätzten Nährstofflieferanten gehören.
Durchblutungsfördernd
Das enthaltene Kalium unterstützt eine gesunde Herzfunktion und hilft, den Blutdruck zu regulieren. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des Rettichs, aber in Kombination mit dem niedrigen Natriumgehalt eine durchaus positive Eigenschaft.
Rettich als Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten
Einer der bekanntesten Einsatzbereiche für Rettich ist der klassische Rettichsirup gegen Husten. Dieses Hausmittel hat eine jahrhundertelange Tradition und funktioniert verblüffend einfach.
Zubereitung Rettichsirup:
- Einen weißen Rettich waschen, schälen und in Würfel schneiden (oder den Rettich aushöhlen).
- Die Würfel in ein sauberes Glas schichten und mit Rohzucker oder Kandiszucker bedecken.
- 8 bis 12 Stunden stehen lassen, bis sich ein Sirup gebildet hat.
- Mehrmals täglich einen Esslöffel des Safts nehmen.
Der Zucker entzieht dem Rettich durch Osmose seinen Saft. In diesem Saft sind die ätherischen Öle und Senföle konzentriert, die die Atemwege beruhigen, schleimlösend wirken und leicht antibakteriell sind. Wer gleichzeitig unter Heiserkeit leidet, findet auf Heiserkeit: Ursachen und Hausmittel weitere praktische Tipps.
Der Rettichsirup ist kein Ersatz für einen Arztbesuch bei starkem oder anhaltendem Husten, kann aber bei einfachen Erkältungshusten eine sinnvolle Ergänzung sein.
Rettich, Radieschen, Daikon: Was ist der Unterschied?
Alle drei gehören zur Gattung Raphanus und weiter zur Familie der Kreuzblütengewächse, haben aber unterschiedliche Größen, Formen und Schärfegrade.
Weißer Rettich (Raphanus sativus)
Der klassische deutsche Rettich. Groß, zylindrisch, mit kräftigem, scharfem Geschmack. Reich an Senfölglykosiden, die für die Schärfe verantwortlich sind. Wird roh gerieben oder in Scheiben gegessen und passt gut zu deftigen Gerichten.
Radieschen (Raphanus sativus var. radicula)
Kleiner, runder Verwandter. Milder im Geschmack, schneller gewachsen. Enthält ebenfalls Senföle, aber in geringerer Konzentration. Deshalb auch für Menschen mit empfindlichem Magen besser verträglich.
Daikon (Raphanus sativus var. longipinnatus)
Der asiatische Rettich. Deutlich größer als der europäische Rettich, mild im Geschmack, sehr knackig. Wird oft fermentiert (z.B. als Kimchi-Zutat) oder frisch gerieben als Beilage gereicht. Besonders in der japanischen und koreanischen Küche beliebt.
Meerrettich (Armoracia rusticana)
Kein direkter Rettich-Verwandter, trotz ähnlichem Namen. Gehört zwar auch zu den Kreuzblütengewächsen, ist aber eine eigene Gattung. Wesentlich schärfer durch höheren Senföl-Gehalt. Wird meist als Gewürz gerieben eingesetzt, nicht als Gemüse.
Rettich richtig essen und zubereiten
Roh vs. gegart
Roh enthält Rettich die meisten Senfölglykoside und damit auch die stärkste gesundheitliche Wirkung. Beim Erhitzen werden diese Verbindungen zum Teil abgebaut, sodass gedünsteter oder gekochter Rettich milder schmeckt, aber auch weniger von den antibakteriellen Eigenschaften mitbringt.
Für den Magen ist gegarter Rettich aber besser verträglich. Wer mit Blähungen oder Magenproblemen kämpft, kann Rettich kurz dünsten oder blanchieren.
Zubereitung im Alltag:
- Gerieben als Beilage zu Brot oder Abendbrot
- In Scheiben mit etwas Salz und Schnittlauch
- Als Zutat in Salaten, besonders gut mit Möhren und Apfel
- Gedünstet in asiatischen Pfannengerichten
- Eingelegt als Pickles, besonders Daikon
- Als Rettichsirup bei Husten
Ein kleiner Trick: Wenn du frisch geriebenen Rettich kurz salzt und 10 Minuten stehen lässt, wird er milder. Das Wasser kannst du ausdrücken und den Rettich dann nach Belieben würzen.
Wer vorsichtig sein sollte
Rettich ist für die meisten Menschen gut verträglich und bedenkenlos zu essen. Einige Personengruppen sollten aber aufpassen.
Schilddrüsenerkrankungen: Kreuzblütengewächse wie Rettich enthalten sogenannte Goitrogene, Substanzen, die die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen können. Bei bestehender Schilddrüsenunterfunktion oder wenn du auf Jod angewiesen bist, besser nicht täglich große Mengen essen und im Zweifel mit dem Arzt sprechen. Garen reduziert den Goitrogen-Gehalt deutlich.
Empfindlicher Magen: Die scharfen Senföle können bei manchen Menschen Sodbrennen oder Magenreizungen auslösen. Dann lieber milder zubereitete Varianten wählen oder auf Radieschen umsteigen.
Nierensteine: Oxalsäure ist im Rettich nur in geringen Mengen enthalten, bei sehr hohem Konsum aber trotzdem relevant. Wer zu Nierensteinen neigt, sollte rohen Rettich nicht in Massen essen.

Fazit: Ist Rettich gesund?
Ja, Rettich ist gesund. Kaum Kalorien, viel Vitamin C, wirksame Senfölglykoside und praktische Einsatzmöglichkeiten als Hausmittel. Die Pflanze verdient deutlich mehr Aufmerksamkeit als sie bekommt. Ob als knackige Beilage, gerieben im Salat oder als bewährter Rettichsirup bei Husten, du kannst Rettich gut und regelmäßig in deine Ernährung einbauen.
Wer Schilddrüsenprobleme hat oder einen empfindlichen Magen, sollte bei großen Mengen rohem Rettich etwas vorsichtig sein. Für alle anderen gilt: ran ans Gemüse. Es gibt schlimmeres als eine Knolle, die Leber und Galle unterstützt, das Immunsystem stärkt und dabei fast keine Kalorien mitbringt.
FAQ
Kann man Rettich täglich essen?
Für gesunde Menschen ist täglicher Rettich kein Problem. Die empfohlene Menge liegt bei 100 bis 200 g pro Tag. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte lieber etwas weniger essen oder ihn garen, da Kreuzblütengewächse die Jodaufnahme beeinflussen können.
Ist Rettich gut zum Abnehmen?
Rettich eignet sich gut beim Abnehmen. Mit nur 18 kcal pro 100 g und einem hohen Ballaststoff- und Wasseranteil sättigt er gut, ohne viele Kalorien zu liefern. Er unterstützt außerdem die Verdauung und den Gallenfluss.
Was bringt Rettichsirup wirklich?
Rettichsirup bei Husten ist ein bewährtes Hausmittel. Die Senföle wirken schleimlösend und leicht antibakteriell. Er kann bei einfachem Erkältungshusten helfen, ersetzt aber keinen Arzt bei anhaltenden oder starken Beschwerden.
Ist weißer Rettich oder Daikon gesünder?
Beide haben ähnliche Nährwertprofile. Europäischer weißer Rettich ist meist schärfer und enthält mehr Senfölglykoside als Daikon. Daikon ist milder und oft besser verträglich. Welcher gesünder ist, lässt sich nicht pauschal sagen, beide sind eine gute Wahl.
Verliert Rettich beim Kochen seine gesunden Eigenschaften?
Ja, zum Teil. Beim Erhitzen werden Senfölglykoside abgebaut, sodass gegarter Rettich milder und gesundheitlich weniger wirksam ist. Vitamin C wird ebenfalls reduziert. Wer die volle Nährstoffdichte will, isst Rettich am besten roh.
